Schlemmertage à la Audax

Es hatten sich 6 x Audax, 4 x Endspurt, 1 x BSG-Airbus, 1 BSG Ethicon, 1 x MTV Tostedt und 1x RG Kiel zusammengefunden, die jährliche Etappenfahrt des Audaxclub SH anzutreten. In der Ausschreibung waren für die Fahrt Hamburg - Bad-Gandersheim sowie Schleifen durch das Weserbergland und den Harz zusammengefasst 600 km, etliche Höhenmeter sowie die Bildung von Kleinstgruppen angekündigt worden. Im Internet waren die Grobbeschreibungen vom Vorjahr, sonst war bis zum Vortag der Reise auch nicht viel herauszubekommen. Um meinen Navi nutzen zu können, klickte ich mir also mit diesen Beschreibungen eine Route zusammen. Die Längenangaben stimmten in etwa – es sollte mir zumindest gelingen eine vergleichbare Runde nach Bad Gandersheim zu finden.

Gegen 22:20 rief Heino an. Er habe gerade die Tracks von Burkhard erhalten, ob er sie mir schicken solle und ob ich Ralf benachrichtigen könne. Na klar wollte ich die echten Strecken haben. Ralf hat um die Zeit schon geschlafen und sein Anrufbeantworter hat die wichtige Nachricht nicht rechtzeitig an ihn weitergegeben.

Start war für den 01. Mai (Himmelfahrt) um 9:00 Uhr am Bahnhof Harburg angesetzt worden. Kurz nach 9 waren alle 9 Teilnehmer auch eingetrudelt, hatten sich ver- und entsorgt sowie ihr Gepäck für die weiteren Tage bei Britta in’s Auto laden lassen und es ging auf die Straße nach Süden, wo wir bald auf Conny, Michael Nassauer, und Björn R trafen, die wohl die Winsener RTF unter die Räder genommen hatten..

Die ersten km vergingen gesittet gleichmäßiger Fahrt, nur gestört von einer Zivilstreife, die uns freundlich aber bestimmt auf den extra für uns gebauten Radweg schickte – zum Glück gab es von diesen Geschenken nicht allzu viele auf der Strecke.

Irgendwann eröffnete Knut dann das Rennen auf die Ortsschilder und fortan war es eine nicht mehr ganz so gleichmäßige Fahrt. Leider hat niemand eine Statistik geführt, so dass die Punktwertung ungeklärt bleibt (Wenn man nur die Siege zählt, dürfte Heino gewonnen haben, wenn auch zweite Plätze zählen, hat Uwe gute Chancen) – Burkhard ließ es sich jedenfalls nicht nehmen das Hannoversche Ortsschild in seine Sammlung aufzunehmen.
Von diesem Kraftakt ausgelaugt ging es dann auch bald zum zweiten Tankstop der Fahrt.

Entgegen unserer Hoffnungen näherten wir uns sowohl den Bergen des Harzes, als auch den dunklen Regenwolken. Bei der nachfolgenden Pause machte ich den Fehler, meine Regenjacke anzuziehen. Das war durchaus berechtigt, denn kurz darauf durchnässte uns ein heftiger Schauer. Allerdings war die Pause nur als Pinkelpause angesetzt und da wird dann auf Leute, die ihre Jacke anziehen nicht gewartet.

Mit der Zeit war es hügeliger geworden und es bildeten sich die erst für den zweiten Tag angekündigten Kleinstgruppen, die Teilweise bis zum Hotel bestand hatten. Aber das war ok so, wir hatten den Track und zwischenzeitlich war es wieder trocken und die Strecke war wirklich schön zu fahren – viel zu schön um in den Lenker zu beissen und sich immer wieder nach vorn zu kämpfen.

Nach 235 km war das „Basislager“ erreicht. Britta hatte sogar das Gepäck schon auf die Zimmer gebracht (ohne Fahrstuhl in den zweiten Stock). Außer der Dusche trennte uns nun nichts mehr vom Abendessen im Hotelrestaurant. Die Dusche im Doppelzimmer von Ralf und mir war wohl eher für die in den hiesigen Bergen buddelnden Zwerge gebaut. So war immerhin gleich für die Ausgleichsgymnastik gesorgt. Die erste Etappe hatte kaum kulinarisches zu bieten und so wurde nach dem durchaus nicht spärlichen Hauptgang die Currywurst mit Pommes zum beliebten Nachtisch.

Beim Frühstück am nächsten Morgen berichtete Herman, dass für diesen Nachmittag mehr Schauer vorhergesagt waren. Seine Frage, ob man da eine Regenjacke mitnehmen sollte wurde von Burkhard beantwortet: Er habe seine immer dabei, brauche sie aber praktisch nie. Herman ließ seine Jacke im Hotel.

Kurz nach dem Start kamen die ersten Steigungen mit etwa 200 Höhenmetern am Stück. Wir kreuzten die Weser per Fähre und nahmen den Anstieg zum Köterberg (der Brocken des Weserberglands) unter die Räder. Die meiste Zeit ist die Steigung moderat, nach einer Spitzkehre wird es aber unangenehm und ohne das dritte (kleine) Kettenblatt wäre es wohl nicht gegangen. Nicht alle fuhren hier ohne Unterbrechung hoch. Kaum oben angekommen fing es an zu tröpfeln und während wir unsere Erbsensuppen löffelten wurde es ein Gewitterschauer mit allem außer Blitz und Donner, aber incl. Hagel. Am Ende unserer Pause war praktischerweise auch der Schauer vorbei und das Wasser von der Straße auf der nasskalten der Abfahrt war das einzige, was wir noch abbekamen. Herman war ohne Regenjacke trotzdem ziemlich durchnässt und war für den Rest der Fahrt gut gekühlt – und das wo die Lufttemperaturen sowieso nur mühevoll in den zweistelligen Bereich kamen.

Entlang der Weser trafen wir viele Radwanderer und neben viel beeindruckender Landschaft ein (das ?) Rigipswerk.

Das von uns angesteuerte Gartenlokal zog sich Burkhards Unmut zu, da sie ihm entgegen der gerade inspizierten Karte keinen Käsekuchen servieren wollten.
Heino konnte sich nicht entscheiden und nahm neben den Pfannkuchen von jeder Sorte Kuchen ein Stück.

Um zu zeigen, dass das Abradeln doch zuverlässiger ist, als Routenplanung mit PC und Navi – und das der Randonneur auch mit schlechtem Untergrund klar kommt, kamen wir etwas von der vorgesehene Strecke ab und nahmen die Abkürzung zurück auf die echte Strecke, als der Untergrund immer löchriger wurde. Die Abkürzung enthielt die zweite Laufpassage des Tages – Abschüssiger Matsch ist mit den üblichen Rennreifen nicht gut wirklich kontrolliert zu fahren.

Das kostete natürlich seine Zeit, und so mussten wir sowohl die Maibockpause in Einbeck ausfallen, als auch unser Essen von Britta im Hotel vorbestellen lassen.
Gegen 20:45 kletterten wir nach 225 km wieder den Anstieg zum Waldschlösschen hinauf.
Ob das Anschließende Schnitzel mit Rahmsoße und Pommes nun die optimale Regenerationsnahrung war weiß ich nicht, aber in dem Moment war es lecker.

Für den Sonntag hatte Burkhard (nicht ganz) flach nach Duderstadt angesagt.

Der Anfang war sowohl recht kühl und in den Tälern herrschte dichter Frühnebel. Aber kaum 100m hoch gefahren brannte uns die Sonne auf die Helme. Zwischendurch nutze ich die Energie, die mir das Schnitzel gegeben hatte, um immer einmal vor die Gruppe zu fahren und Fotos zu machen. In einem leichten Anstieg behielt ich die Kamera in der Hand um noch eine paar Nahaufnahmen zu machen. Leider kam für mich überraschend bald die Kuppe und ich durfte die 150 Hm Abfahrt mit der Spiegelreflex in der Hand fahren. Wer schon einmal versucht hat, mit nur einer Bremse hinter Burkhard eine Abfahrt zu fahren kann sich das Hauptproblem vielleicht halbwegs vorstellen – Es wurden aber ganz nette Bilder. Die Strecke blieb weiterhin nicht wirklich flach und wir kamen nach Duderstadt, wo die Hälfte der niedersächsischen Bevölkerung den Markt in der Altstadt blockierte. Wir fanden aber ein Döner-Straßencafé um uns zu Stärken. Acht Hauptspeisen wolle in Ruhe zubereitet werden und so kostete uns diese Mittagspause eine gute Stunde. Um das abschließende Abendessen mal nicht im Hotel einzunehmen wurde die Etappe etwas eingedampft und wir schauten uns den Harz nur an anstatt durch ihn durch zu fahren. Jetzt hatten wir ja etwas Zeit gewonnen und machten an der Rhume-Quelle eine touristische (zweitwasserreichste Quelle Deutschlands) und kulinarisch (Eis) Pause. Den Rest der Strecke fuhren wir nach der frisch vom Navi berechneten Route.

Den Ausklang der Veranstaltung bildeten Pizza und Pasta (bei einigen auch nur das eine oder andere, aber man will sich ja auch mal etwas gönnen) beim örtliche Italiener. Wir waren eine sehr homogene Gruppe, aus der keiner dauerhaft nach hinten hinausfiel. Nur Joachim wirkte bei den Anstiegen etwas gelangweilt. In den Abfahrten haben wir ihn aber meist wieder eingeholt. Sonstige Ergebnisse: Mindestens zwei neue Navis (Burkhard war etwas angefressen, dass Heino eine bessere Orientierung hatte, als er selbst obwohl er die Strecken geplant hatte. Joachim hat sich auch durchgerungen und bei Knut steht es wohl noch auf der Kippe). Wir hatten nicht einen Defekt auf immerhin insgesamt etwa 5400 km. Und: Ich habe meine Achillessehne auf der Tour ein bisschen kaputt gefahren und habe jetzt viel Zeit für lange Artikel…