Die Härte des langsamen Fahrens

(Fleche am 10./11. Mai 2008 mit Ziel in Großhansdorf). Zu Fuß und per Rad die Rosstrappe hoch und dann in 24 Stunden von Thale noch Großhansdorf.

Wenn man sich schon fahren lässt, dann sollte man sich schon noch ein wenig bewegen. Satt bin ich geworden und geschmeckt hat es auch im neuen Frühstücksraum der Jugendherberge Thale. Elke hatte Benno und mich nachmittags abgeholt und von Hamburg nach Thale kutschiert. Das Autoradio voller Staus, veranlasste uns, nicht über Braunschweig zu fahren, sondern ab Salzgitter über die Bundesstrasse. Wir, also Elke, testeten die Funktionsfähigkeit der fest installierten Geschwindigkeitsüberwachungsanlage direkt an der Autobahnabfahrt. Ansonsten erreichten wir planmäßig und rechtzeitig unser Ziel.Blick ins Bodetal

Jetzt wollten wir drei noch auf einer kleinen Wanderung die Rosstrappe bezwingen. Im letzten Jahr war der Wanderweg noch wegen Steinschlags gesperrt und der Weg durch das Geröllfeld nach oben war mal wieder fällig. Es ist zwar schön, mal vor Benno oben anzukommen, aber er war durch sein Schuhwerk im Nachteil. Steil und steinig geht es hoch, gute Schuhe eigentlich Pflicht. Bennos Blase am Fuß hatte aber zum Glück beim Fleche am folgenden Tage keine Auswirkungen. Dierk formulierte dazu etwas von den natürlichen Bewegungsabläufen und Belastungen. Radfahren ist natürlich das Natürliche, zu Fuß gehen eher nicht.

Auf dem Rad hatte ich mehr Schwierigkeiten, aber so wollte ich es ja. 2 Kilometer einrollen und dann 3 Kilometer bergauf. Das Schild zeigt 14 %. Wir nutzen als Start den Endspurt-Trainingstermin im Harz und Rolf berücksichtigt bei seiner Sonnabend-Tour die Streckenplanung für unseren Fleche. Es ergeben sich dann einige gemeinsame Kilometer. Man fragt mich, ob ich masochistisch veranlagt sei. Meine Meinung ist, Harz nur mit Berg, sonst kann man auch darauf verzichten.vor dem Start

Am Ortseingang von Blankenburg hat sich der Druck meines Vorderrades entscheidend vermindert. Am Ortsende hätten sich die Wege sowieso getrennt. Wir verabschieden uns also von Endspurt und wenig später suchen wir den Weg nach Derenburg. Über die Hügel kann man Halberstadt schon sehen, der Wind kommt uns entgegen; nichts was einen umwirft, aber spürbar.

Dierk nimmt das Bauernfrühstück, Benno Fischfilet und ich lasse mir die Leber schmecken. Die Leber ist nach Berliner Art und steht auf der Karte, weil sich da mal ein Berliner um die Zusammenstellung der Karte verdient gemacht hat. Im Hintergrund macht sich irgendjemand auf dem Marktplatz zum Affen. Benno weiß von Ritualen, die gefeiert werden, kurz bevor die Hochzeit ansteht, 30 Jahre ohne Hochzeit oder 10 Jahre ohne Platten.

In Halberstadt gibt es eine Straßenbahn, als Radfahrer muss man aufpassen nicht in die Schienen zu geraten. Uns gelingt es und wir verlassen Halberstadt Richtung Norden. Ab jetzt gibt es Wind von der Seite und manchmal sogar von hinten. Die Steigung über den Huy ist zwar sanft, geht aber doch in die Beine. Besonders weil meine Begleiter, insbesondere aufwärts, schneller sind.

Die Landschaft zwischen Halberstadt und Schöppenstedt ist wohl gutes Ackerland, es gibt keinen Wald und auch das Straßenbegleitgrün ist auf das Nötigste reduziert. Uns wird warm. Rückenwind verringert die Kühlung durch den Fahrtwind. Außerdem sind wir schon eine ganze Zeit unterwegs und immer noch können wir den Brocken sehen. Dierk macht das nervös, er sollte nach vorne gucken.

Die Gegend um Salzgitter bietet einen Mix aus Bergbau, Industrie und Landwirtschaft. Wir müssen ein wenig aufpassen, um nicht die Richtung zu verlieren, aber die Strassen sind leer und wir haben keine ernsthaften Probleme. Wir meiden die Bundesstraße und fahren Peine im großen Bogen an. Erst kommen ein Industriebetrieb, dann der Obi-Gürtel und dann der soziale Wohnungsbau. Hat Peine überhaupt einen Stadtkern?Pizza in Peine

Wir finden die Fußgängerzone und sind angenehm überrascht. Es gibt reichlich Auswahl und Dierk will Pizza. Wir finden den Italiener neben der Kirche. Es gibt ein paar Autos, die als Musikanlage betrieben werden, aber die verschwinden auch wieder. Der Gesamteindruck ist bemerkenswert gemütlich. Ich muss ein wenig drängeln, hatte ich doch einen Zeitplan für die Tour im Kopf, der in Hermannsburg noch eine Nachtmahlzeit vorsah. Wer zu spät kommt, findet nur noch verschlossene Türen. Außerdem lässt meine Orientierungsfähigkeit bei Dunkelheit und Müdigkeit stark nach.

Östlich von Celle liegt Lachendorf. Der Strich auf der Karte zeigt im geradeaus. So sind wir auch gefahren, um dann in Hohne festzustellen, dass wir falsch sind. Der eigentliche Plan mit Essen in Hermannsburg, ist damit nicht mehr realistisch.

Küche bis 22:00 Uhr steht auf der Karte am Eingang und die Hoteltür ist zu. Es ist schon ein wenig später. Drinnen wuselt aber noch die Bedienung. Nach Rückfrage gibt es noch Schnitzel mit Bratkartoffeln und für Dierk auch Kroketten. Uns werden auch Hotelzimmer angeboten. In der Nacht kann man doch sowieso nichts sehen. Es wäre schon ein verlockendes Angebot, aber nein! Das widerspräche auch dem Geist (und auch den Regeln) eines Fleches. Das Ganze ist daraufhin angelegt, 24 Stunden mit dem Rad unterwegs zu sein. Schnell fahren und um dann lange auszuruhen ist verboten. Wenn man den Verlockungen widerstehen kann, ist das Hotel eine durchaus empfehlenswerte Anlaufstelle mit charmanter Bedienung und reichlich Schnitzel. Dierk hat den nicht geschafften Teil seiner Kroketten, eingepackt mitbekommen.

Vor Munster halten wir, damit Dierk seinen Kopfschutz richten kann. Aus der Dunkelheit kommen zwei Radfahrer mit Ziel Großhansdorf. Sie sind in Marburg gestartet und wollen auch nach Großhansdorf. Und zwar so schnell wie möglich. Morgens um 1 Uhr ist nicht der Zeitpunkt über Regelungen zu diskutieren, jedenfalls nicht für mich. Aber die Anmerkung, man könne zwischen 8:00 Uhr und 10:00 Uhr in Großhansdorf ankommen, verwundert mich schon. 10:00 Uhr ist die Zeit und wenn man schneller ist, muss man vorher warten. Um das zu erreichen, gibt der Organisator einen Kontrollpunkt kurz vor dem Ziel vor. Zu diesem Kontrollpunkt gibt es dann eine früheste Zeit (z.B. 15 Kilometer vorm Ziel, frühestens um 9:00 Uhr). Selbst wenn man dann noch einen 30’ Schnitt schafft, kann man nicht vor 09:30 Uhr am Ziel sein. Wir haben die beiden in Großhansdorf bei Britta im Carport übrigens nicht getroffen. Aber sie waren schon schnell unterwegs.

Unser Problem war ein anderes. Man braucht etwa 3 (gemütliche) Stunden mit dem Rad von Munster nach Winsen. Würden wir dort etwas finden um unterzukommen? Es lohnte jedenfalls nicht, schnell zu fahren. Außerdem gab es ja noch den sensationellen Sternenhimmel in der klaren Nacht. Dafür war es frisch geworden.

MCDo hatte zu, aber die Tankstelle war auf. Ein einzelner Gast betätigte die dreiMüde Randonneure in Winsen Spielautomaten. Wir bestellten Kaffee. Hinten rechts gibt es gepolsterte Sitzgelegenheiten und wir versuchten zu dösen. Der Fernseher zeigte irgendeine Serie mit Monstern und Superhelden. Wir kennen aber unangenehmere Orte, die Zeit totzuschlagen.

Auf einmal tauchte Uwe auf. Er war mit Heino, Michael und Joachim in Dülmen gestartet. Da wir das gleiche Ziel hatten, fuhren wir dann gemeinsam weiter. Wir mussten noch eine Kunstpause in Grande einlegen und waren trotzdem noch vor 10:00 Uhr in Großhansdorf.
Britta hatte den Kartoffelsalat aber schon kalt und die Würstchen schon warm. Dazu ein echtes Bier mit Prozenten. Zum Nachtisch dann Käsekuchen mit Kaffee. Was will man mehr?

Kommentare

Zwei Radfahrer aus der Dunkelheit

Hi,
viele Grüße von den zwei Radlern.
Uns fehlte in dieser Nacht zugegebener Maßen die nötige Demut.
Wir sind tatsächlich angekommen, allerdings schon vor 6:00 Uhr, haben bei der Tanke in Großhansdorf gestempelt und die Karten bei Heino in den Briefkasten geworfen- regelwidrig.
Es war sowieso mit unserem Team alles schiefgegangen, einer krank, der andere mußte überraschend arbeiten- war wir kein Team mehr.
Da hat um 06:00 Uhr das Bettchen gerufen. Nach 3 Stunden gab es ein herrliches Familienfrühstück bei meinem Schwager in Ahrensburg und danach eine Familienradtour mit Baden am Lütjensee-regelwidrig.
Herzliche Grüße in die Nacht
und an seine beweglichen Schatten
Meinhard Rediske