Kontrolliertes Abenteuer

(400er Brevet in Kiel - Sa 01. Mai 2010)
Ich habe mal wieder geschwächelt und bei der Gelegenheit einen Vorgeschmack auf Paris-Brest-Paris bekommen. Ich will es mal "kontrolliertes Abenteuer" nennen.

Ich bin Freitag bereits nach Kiel angereist und hab in der Jugendherberge gepennt. Am Samstag um 7:00 ging's los (waren nur 4 km von der JH entfernt). Gegen 19:00 hatte ich immer noch rund 150 km vor mir und habe die ganze Nacht gebraucht. Das "Abenteuer" bestand aus geschlossenen Tankstellen, fiesen kalten Gegenwind, klamme Finger, kreuzendem Reh und die totale Übermüdung.

An der Tankstelle in Henstedt-Ulzburg hat mir die "Lady" nach einem flüchtigen Blick auf mich und meiner Karte ein eisiges "wir geben keinen Stempel" entgegen gebellt. Wie ich hörte, hatte die erste Brevet Gruppe noch problemlos bei der Aral-Tankstelle ihren Stempel gekriegt. Gut, dass es auch noch die Jet-Tankstelle gibt.

In Heiligenhafen war die Tanke komplett düster aber nach einer halben Stunden hat mir ein Grillimbiss (nach Ladenschluss) noch ein Stempel gegeben. Sehr nett, aber leider keine neue Verpflegung.

Ja, ich hab daran gedacht aufzugeben. Das wäre aber erst "Plan C" gewesen. "Plan B" wäre gewesen, irgendwo klingeln und um ein Plätzchen zum Schlafen betteln, für die Variante "Bus Häuschen" war es (mir) einfach zu kalt. Björn hat mich mitten in der Nacht angerufen, als er selbst schon wieder in Hamburg angekommen war. Seine erste Frage: Wo bist du? Seine zweite Frage: Bist du alleine?

Eine Freundin fragte mich, ob ich den keine Angst gehabt hätte so ganz alleine. Doch! Ich hatte Angst, dass ich Plan C "aufzugeben" doch noch näher in Betracht ziehen könnte. Und als ich pinkeln musste, hatte ich Angst, das mir irgendwas aus der Tasche fällt was ich im Dunkeln nicht wieder finde. Ich habe mich dann einfach auf den Asphalt gesetzt. Und einmal hatte ich Angst, dass ein Reh mich rammt.

In Schönberg war die Tankstelle zwar erleuchtet aber voller Glassplitter. Und ich stand unbeholfen vor dem Nachtschalter. Ich habe dann ein paar Jugendliche gefragt, ob es hier irgendwo was gibt, wo man einen Stempel bekommt, vielleicht in einer Kneipe oder bei der Polizei. Nee, auf dem Polizeiamt ist jetzt keiner, hieß es, die sind gerade wegen einer größeren Schlägerei unterwegs. Ein Bursche hat mir dann den Klingelknopf am Nachtschalter gezeigt (peinlich) und geholfen die Trinkflasche auf zumachen (nochmal peinlich). Meine klammen Finger waren nicht mehr in der Lage dazu. Die Erklärung warum es da so aus sah - wie es aus sah - kam dann auch noch. Die Schlägerei war genau an dieser Tankstelle. Manchmal ist es auch von Vorteil etwas später zu sein  :-)

Mit einer Portion Koffein im Körper ging es schon besser, war aber immer noch schweinekalt. Plötzlich ging vor mir der Mond auf, dann brach Vogelgezwitscher los und 5 Minuten später sah ich im Rückspiegel die Morgendämmerung. Über mir der Sternen Himmel (auf dem Liegerad kann man das auch toll sehen) und die Welt war wieder in Ordnung. Einfach geil!

Der letzte Stempel hat mich dann fast eine Stunde gekostet. Zunächst hatte ich trotz GPS Schwierigkeiten die Jet-Tankstelle zu finden. Dann war die trotz Nachtschalter komplett geschlossen und  Info zur den Öffnungszeiten hab ich nicht gefunden. Ich habe dann im Spielcasino (hat kein Stempel), im Hotel (Tür war komplett zu), bei der Apotheke den Notdienst gesucht (bin aus den Adressen nicht schlau geworden) und der nächsten Tanke (Esso hatte auch zu) mein Glück versucht.

Bis ich dann doch noch eine Tankstelle gefunden habe. Der Kassenwart war entweder misstrauisch oder interessiert. Er hat erstmal genau erklären lassen wozu und warum und wieso nicht die Jet. Um 7:21 saß ich dann endlich in der Bahn nach Hamburg.

Nach einigen Extralocken (sowohl Stempel als auch Weg suchen) hatte ich dann ungefähr 445 km für die Brevet und zusätzlich 14 km Transfer (JH-Start-Bahnhof-Hause) zurückgelegt. Puh, das war wirklich anstrengend.

Yes, we can do it!

Kommentare

Hi Andrea, schön daß Du da

Hi Andrea,
schön daß Du da durchgekommen bist. Auch wenn ich das Hickhack mit den Kontrollstellen nicht wirklich als kontrolliert einschätzen würde.  Toll, daß Du das zuende gebracht hast.
In ähnlicher Situation (Audax WB) habe ich Fotos vom Ortsschild und großer Uhr gemacht. Man war nicht glücklich, hat es aber akzeptiert.
Viele Grüße
Michael Nagel (miNagel@gmx.de)