Brevet als Beifahrer (oder: Macht GPS einsam ?)

 (300km Ostsee-Brevet am 03.04.2010 /  20 StarterInnen )

 
Für den Audax-Club ist es eines dieser arbeitsreichen Jahre, in dem Hamburg-Berlin-Köln Hamburg stattfindet. Da muss man dann auch mal die Beine stillhalten können und ein wenig die Organisation testen. Wir wollen an den Kontrollstellen die Zeiten der Teilnehmer erfassen, in dem wir die Startnummer einscannen und alles sofort und automatisch ins Internet stellen. Das Programm zur Erfassung war eigentlich schon am Donnerstag fertig und dann scannte Heino die Weinflasche.. 
 
So ein Brevet beginnt mit der Anmeldung. Die meisten Teilnehmer haben sich hoffentlich vorher angemeldet und der Datensatz ist schon erfasst. Nachpflegen geht, sollte aber die Ausnahme sein. Aber das ist das übliche Verfahren und Heino braucht dafür wirklich nicht die Unterstützung seines IT-Beraters.
 
Es wird 8:00 Uhr und es ist Zeit! Lasst uns an der Kette ziehen! Nachdem die Starter unterwegs waren, haben wir dann erst mal die Datentabellen aktualisiert und hochgeladen, damit waren denn die Startzeiten im Netz. Das sieht noch etwas roh aus und ich denke auch noch darüber nach, wie die Liste mit 100 Startern und 8 Hauptkontrollpunkten (inkl. Start+Ziel) wohl aussehen würde. Muss man da noch irgendetwas aufteilen ? Sehen wir Mal.
 
Suppe gibt es. Nachher im Keller, im Sportkasino. Zwei Ethicon-Köche sind Audax-Club Mitglieder und die Suppe steht vorgekocht im Kühlraum der Küche bereit. Außerdem ist Geschirr und ein elektrischer Kochtopf in den Keller zu befördern. Heino ist für die Elektrik zuständig, Gelegenheit auf dem Hinweg noch mal in einen Schaltschrank zu blicken. Dann den gefüllten Geschirrwagen in den Keller bugsieren und ein wenig räumen.
 
Es ist fast halb zehn, und es geht auf dem Track des Brevets hinter den Randonneuren her. Die Liegeradlerin hat Trainingsrückstand und ist übermüdet, ansonsten aber guter Dinge. Wir hören, dass ein Teilnehmer wahrscheinlich nach Hause abgebogen ist. Neumünster ist nicht mehr weit.   

Kurz vor Bordesholm überholen wir eine Dreiergruppe. Wir fahren die Kontrolltankstelle an, ein einzelner Teilnehmer fährt gerade ab. Der Kaffee an der Tankstelle ist nicht wirklich toll, die drei fahren einzeln wieder ab. Rund um Kiel wirft das Gelände Wellen, aber die Teilnehmer haben Rückenwind. Das sonstige Wettergeschehen ist zwar nicht berauschend, aber deutlich trockener und sonniger als die Horrormeldungen aus dem Autoradio. Temperaturen bis 13°C. Die wenigen Teilnehmer sind echte Individualisten, wir zählen bei den Überholungen maximal bis 5 je Gruppe.

 

Ab Laboe ist dann aber Schluss mit lustig. Nicht dass mich die gestreckten Fahnen auf dem Beifahrersitz besonders beunruhigen, aber auf dem Rad, alleine ohne Windschatten? Da denkt man darüber nach, ob die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten wirklich ein wenig Windschutz aufwiegen können. Bei Fargau, am Selenter See haben wir dann gestoppt. Wellen mit  Schaumkronen fotografieren. Inzwischen waren wir uns sicher, dass wir die Geheimkontrolle am Hessenstein vor den ersten Teilnehmern erreichen würden. Wir haben dann auch fast ein Stunde gewartet. Zeit für einen Spaziergang mit Rindviehfotos, um dann den ersten regulären Starter fast zu verpassen. Das 200'er Tele ist jedenfalls eigentlich zu kurz.
 
Sie kommen jetzt so nach und nach, die 5er - Gruppe ist jetzt nur noch zu viert unterwegs. Die meisten sind guter Dinge, aber auch Stöhnen gehört zum Geschäft. Wir müssen rechtzeitig wieder zurück, Suppe auftauen und alles vorbereiten. Hätten wir noch ein paar Minuten gewartet, hätten wir auch die letzten beiden Starterinnen einscannen können. Wir werden später einen Handeintrag vornehmen.
 
Heino teilt sich zum Küchendienst (Suppe auftauen, Reis und Kaffee kochen , Gummibärchentüte aufreißen) ein, ich darf schon mal mit dem Rohentwurf für diesen Bericht beginnen. Aber irgendwann ist man auch damit durch, die Suppe braucht allerdings so an die 3 Stunden, aber das geht dank des Suppenkochtopfes fast von alleine (Stecker in die Dose und Thermostat auf 2). Heino meint allerdings,das sei die Stufe 8, weil das Teil verdreht ist. Alles ist schwieriger als man so denkt, aber Heino ist der Elektriker.      
 
Ab Hohwacht muss der Wind sozialisierend gewirkt haben. Kurz vor acht war die erste Gruppe zur Suppenaufnahme eingetroffen. Die Vier vom Hessenstein hatten die vorausfahrenden Einzel- und Zweitzelkämpfer einkassiert und alle schienen relativ glücklich zu sein, es geschafft zu haben.  Ungefähr jeder zweite hat ja mittlerweile ein GPS-Gerät am Lenker.  Brauchte man in der Vor(GPS)zeit, die Gruppe, um auf dem Weg zu bleiben, findet man mit dem Gerät auch so nach Hause. Das war die Theorie, die ich hinterher aufgeschnappt habe.  Hoffen wir also auf reichlich Gegenwind. So ein gemeinschaftlich erlebter Brevet, ist schließlich die Krone des Radsportes. Wir könnten natürlich auch Permanente anbieten, dann aber ohne Suppe.
 
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